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Team News
Montag, 30.03.2026 16:06 Uhr | Ludwigsburg24, Ayhan Günes

Freiberg nimmt Punkt aus Kassel mit

Kassel/Freiberg. War es eine vertane Chance oder genau die Art von Spiel, die einen Tabellenführer am Ende auszeichnet? Der SGV Freiberg kam am Samstag bei Hessen Kassel nicht über ein 1:1 hinaus. Und doch könnte dieser Nachmittag im Aufstiegsrennen schwerer wiegen, als es das Ergebnis auf den ersten Blick vermuten lässt.

Denn Freiberg tat sich auf tiefem, regennassem Rasen lange schwer, fand nie wirklich zu spielerischer Kontrolle und musste einem frühen Rückstand hinterherlaufen. Trotzdem blieb am Ende nicht nur die Tabellenführung bestehen. Weil Verfolger Großaspach parallel zuhause gegen Homburg verlor, wuchs der Vorsprung des SGV sogar auf drei Punkte an.

Kassel erwischt den besseren Start

Die Partie begann aus Freiberger Sicht alles andere als ideal. Hessen Kassel, zuletzt mit zwei Siegen in Serie, trat selbstbewusst auf und setzte früh die ersten Nadelstiche. Bereits in der Anfangsphase traf Breitfelder per Kopf nur das Aluminium. Kurz darauf machte es Rupp besser. Sein Schlenzer sprang vom Innenpfosten ins Tor – 1:0 für die Gastgeber.

Freiberg fand in dieser Phase kaum Zugriff. Die Gäste kamen zwar vereinzelt nach vorne, unter anderem durch Shipnoski, doch insgesamt hatte Kassel die Partie unter Kontrolle. Die Hessen wirkten wacher, griffiger und klarer in ihren Abläufen. Die Pausenführung war verdient.

Grawe hält Freiberg im Spiel

Nach dem Seitenwechsel reagierte SGV-Trainer Kushtrim Lushtaku und brachte gleich drei frische Kräfte. Doch zunächst blieb Kassel das gefährlichere Team. In der 53. Minute zeigte der Schiedsrichter nach einem Foul im Strafraum auf den Punkt – die große Chance auf das 2:0.

Doch Freibergs Torhüter Grawe parierte gegen Dahlke und hielt den Tabellenführer damit im Spiel. Es war jene Szene, die dem Nachmittag aus Freiberger Sicht eine neue Richtung gab. Plötzlich war der SGV wieder da, gewann mehr zweite Bälle, wurde aktiver und traute sich wieder mehr in die gegnerische Hälfte.

Polauke trifft und Freiberg bleibt im Rennen

In der 75. Minute fiel schließlich der Ausgleich. Nach einer kurz ausgeführten Ecke brachte Laupheimer den Ball in den Strafraum. Paul Polauke setzte sich im Luftduell durch und köpfte wuchtig zum 1:1 ein.

Der Torschütze selbst sprach hinterher von einem „brutal schweren Auswärtsspiel“. „Wir hatten eine lange Anreise, haben viele zweite Bälle verloren, keinen richtigen Zugriff auf das Spiel bekommen und uns zu viele Ballverluste geleistet“, sagte Polauke gegenüber Ludwigsburg24. Umso wichtiger sei gewesen, dass die Mannschaft nach dem Rückstand nicht die Linie verlor. „Der Wendepunkt war dann der gehaltene Elfmeter. Danach haben wir viel mehr Druck ausgeübt.“

Trotz der schwierigen Phase habe Freiberg, so Polauke, den Glauben nicht verloren und sei seiner Linie treu geblieben. „Ich finde es gut, dass wir unsere Linie nicht verloren haben.“ Entsprechend könne man mit dem Ergebnis leben: „Das Unentschieden ist gerecht. Es ist ein gewonnener Punkt.“

Dass ausgerechnet er mit seinem Treffer den Ausgleich besorgte, freute den Abwehrspieler besonders. „Es freut mich sehr, dass ich mit meinem Treffer dem Team helfen konnte.“

Ein Unentschieden mit möglichem Mehrwert

Rein sportlich dürfte sich die Mannschaft von Trainer Lushtaku in Kassel mehr erhofft haben. Ein Sieg hätte den Abstand auf Großaspach noch deutlicher wachsen lassen und dem Tabellenführer im Titelrennen zusätzlichen Rückenwind verschafft.

Und doch erzählt dieses 1:1 eine andere Geschichte. Freiberg hat nicht geglänzt, keine spielerische Gala abgeliefert und sich auf schwierigen Bedingungen phasenweise schwergetan. Aber die Mannschaft hat sich nach dem Rückstand zurückgekämpft, einen Elfmeter überstanden und sich in ein Spiel zurückgebissen, das ihr lange nicht wirklich gehörte.

Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Bedeutung dieses Nachmittags. Nicht in der Schönheit des Auftritts, sondern in der Widerstandskraft. Nicht im Glanz, sondern in der Fähigkeit, auch an einem zähen Tag etwas mitzunehmen.

Der Blick nach vorne

Rechenspiele helfen im Saisonendspurt nur bedingt weiter. Die entscheidenden Wochen stehen noch bevor – und sie haben es in sich.

Am Ostermontag empfängt der SGV Freiberg die Stuttgarter Kickers. Es ist ein Duell mit Brisanz, auch wegen der offenen Rechnung aus Pokal und Hinrunde. Und am 22. April könnte es dann zum womöglich vorentscheidenden Spiel im Aufstiegsrennen kommen: auswärts bei Verfolger Großaspach.

Kassel war kein Spektakel. Aber es war womöglich genau die Art von Spiel, an die man sich am Ende einer Saison erinnert, wenn aus einem scheinbar unscheinbaren Punkt plötzlich ein wertvoller Baustein auf dem Weg ganz nach oben geworden ist.