Freibergs Aufstiegstraum zerbricht gegen Mainz 05 II
Der Traum lebt rechnerisch noch. Sportlich aber ist er kaum mehr zu greifen. Nach dem 1:2 gegen Mainz 05 II am Samstag ist der SGV Freiberg im Aufstiegsrennen der Regionalliga Südwest nur noch Zuschauer auf Abruf. Vier Niederlagen in Serie, neun Punkte Rückstand auf Großaspach, nur noch drei Spieltage und dazu das deutlich schlechtere Torverhältnis – vieles spricht inzwischen dafür, dass eine außergewöhnliche Saison nicht mit einem Triumph endet, sondern in schmerzhafter Ernüchterung mündet.
Dabei ging es gegen die U23 des FSV Mainz um die letzte realistische Chance, den theoretischen Aufstieg zumindest noch offen zu halten. Es war ein Heimspiel unter maximalem Druck. Und genau diesen Druck schien man dem SGV anzumerken.
Mainz wirkte klarer, geordneter, frischer. Freiberg dagegen trat zwar ordentlich, aber nie wirklich zwingend auf. Nach dem 0:4 in Großaspach hätte es ein Spiel gebraucht, das ein Zeichen setzt – an die Konkurrenz, an die eigenen Nerven, vielleicht auch an sich selbst. Stattdessen wurde es ein weiterer Nachmittag, an dem der SGV vor allem zeigte, wie schwer ihm diese Schlussphase der Saison inzwischen fällt.
Die Mainzer kontrollierten viele Phasen des Spiels, standen defensiv stabil und gingen folgerichtig in Führung. Tebo Gabriel traf in der 16. Minute aus spitzem Winkel zum 1:0. Freiburg – oder besser: Freiberg – fand danach kaum Struktur im Offensivspiel. Es fehlte an Tempo, Präzision und an jener Selbstverständlichkeit, mit der dieses Team über Monate die Liga angeführt hatte. Eine Kopfballchance von Meghôn Valpoort blieb vor der Pause eine der wenigen nennenswerten Möglichkeiten.
Auch nach dem Seitenwechsel fand Freiberg keine echte Antwort. Mainz II blieb das reifere, klarere Team, erhöhte nach einer Ecke durch Fabio Moreno Fell auf 2:0 und hielt den Gegner über weite Strecken vom eigenen Tor fern. Erst als Gal Grobelnik nach einem Standard in der 77. Minute auf 1:2 verkürzte, keimte im Wasenstadion noch einmal Hoffnung auf. Doch selbst in dieser Schlussphase wirkte der SGV eher bemüht als wirklich überzeugt. Viele hohe Bälle, viel Hektik, wenig Durchschlagskraft. Mainz verteidigte den Vorsprung am Ende souverän.
Dass Marco Kehl-Gómez in der Nachspielzeit auch noch Gelb-Rot sah, passte ins Bild eines Nachmittags, an dem sich für Freiberg wenig fügte.
Die Niederlage gegen Mainz steht nicht für sich allein. Sie ist Teil einer Entwicklung, die sich seit Wochen andeutet. Homburg, Steinbach, Großaspach, nun Mainz – aus einer Mannschaft, die lange wie ein kommender Meister wirkte, ist im Endspurt ein Team geworden, das unter der Last seiner eigenen Saison zu leiden scheint. Was im Herbst noch Leichtigkeit war, wirkt inzwischen wie Anspannung. Was früher Konsequenz war, erscheint nun oft wie Verkrampfung.
Genau darin liegt die eigentliche Härte dieses 1:2. Freiberg hat den Aufstieg nicht an diesem einen Samstagnachmittag verloren. Aber in diesen Wochen ist eine Saison entglitten, die über Monate nach 3. Liga aussah.
Dass es dafür nicht nur sportliche Gründe geben könnte, liegt zumindest als Gedanke nahe. Die Diskussionen um die Zukunft des Vereins, die infrastrukturellen Grenzen, die Überlegungen rund um den möglichen Umzug nach Heilbronn – all das bildet seit Wochen einen Hintergrund, der in einer sensiblen Saisonphase nicht folgenlos bleiben muss. Belegen lässt sich ein direkter Zusammenhang von außen nicht. Auffällig ist jedoch, dass Freiberg genau in jener Phase an Stabilität verloren hat, in der aus einer starken Spielzeit ein historischer Erfolg hätte werden können.
Und vielleicht ist genau das die bitterste Erkenntnis: Es reicht nicht, über weite Strecken einer Saison Tabellenführer zu sein. Entscheidend ist, wer am 34. Spieltag oben steht.
Im Moment deutet vieles darauf hin, dass dieser Platz nicht mehr dem SGV gehören wird.
Noch ist nichts endgültig entschieden. Rein rechnerisch lebt die Chance. Doch im Fußball gibt es Momente, in denen die Tabelle zwar noch Hoffnung erlaubt, das Gefühl aber längst in eine andere Richtung zeigt. Der SGV Freiberg hat nach dem Mainz-Spiel genau diesen Punkt erreicht.
Die bisher beste Saison der Vereinsgeschichte droht sportlich unerquicklich auszulaufen. Und plötzlich geht es nicht nur darum, ob der große Traum von der 3. Liga noch einmal aufflackert. Es geht auch darum, wie diese Mannschaft mit dem Moment umgeht, in dem sie spürt, dass ein lang getragener Traum auf den letzten Metern zerbricht.
