SGV Freiberg verliert zweites Spiel in Folge
Frühe Führung, klare Chancen und am Ende wieder ohne Punkte: Der SGV Freiberg verliert gegen Steinbach und gibt im Aufstiegsrennen weiter an Boden ab. Vor dem direkten Duell mit Großaspach wächst der Druck spürbar.
Es war angerichtet für den nächsten Schritt Richtung Aufstieg. Heimspiel, frühe Führung, zunächst alles im Griff. Doch am Ende stand für den SGV Freiberg eine bittere Erkenntnis: In der entscheidenden Phase der Saison gerät die Kontrolle ins Wanken.
Beim 1:3 gegen den TSV Steinbach Haiger kassierte die Mannschaft von Trainer Kushtrim Lushtaku die zweite Niederlage in Folge. Freiberg zeigt Nerven auf den letzten Metern im Rennen um die Meisterschaft und steht nun vor dem wohl wichtigsten Spiel der Saison.
Starker Beginn, verpasste Vorentscheidung
Vor rund 700 Zuschauern im Wasenstadion entwickelte sich am 29. Spieltag der Regionalliga Südwest eine Partie, die exemplarisch zeigte, wie schmal der Grat im Aufstiegsrennen ist: zwischen Dominanz und Kontrollverlust, zwischen Effizienz und fehlender Konsequenz.
Freiberg startete hellwach, dominant und zielstrebig. Früh lag der Ball im Netz, doch der Treffer von Kapitän Kehl-Gomez wurde wegen Abseits aberkannt. Kurz darauf zählte es dann: Meghon Valpoort setzte sich robust durch und traf zur verdienten 1:0-Führung (4.).
Zunächst sprach vieles für den Tabellenzweiten. Freiberg kontrollierte das Spiel, erspielte sich Chancen und hätte früh nachlegen müssen. Petö und Kehl-Gomez tauchten frei vor dem Tor auf, ließen die Möglichkeiten aber ungenutzt.
Eine Szene kurz vor der Pause stand sinnbildlich für diesen Nachmittag: Nach einem Fehlpass der Gäste war Minos Gouras hellwach, umspielte den Torhüter, doch der Ball prallte vom Innenpfosten an den zweiten Pfosten und sprang wieder heraus. Das Tor schien wie vernagelt.
„Nach dem 1:0 musst du das 2:0 machen“, sagte SGV-Sportdirektor Mario Estasi später gegenüber Ludwigsburg24. „Wir hatten drei hundertprozentige Chancen allein in der ersten Halbzeit.“
Der Bruch kommt schleichend
Statt der Vorentscheidung kam der Wendepunkt. Kurz vor der Pause rutschte Petö im eigenen Strafraum in einen Schuss. Handspiel, Elfmeter, 1:1 (42.).
Doch es war nicht nur das Gegentor. Es war ein Bruch im Freiberger Spiel. Sichtbar, spürbar, auch an der Seitenlinie. Trainer Lushtaku zeigte bereits in dieser Phase lautstark seine Unzufriedenheit, weil sich Fehler und Unkonzentriertheiten häuften. Zudem haderte er wiederholt mit Entscheidungen des Schiedsrichters.
„Bis dahin hatten wir das Spiel im Griff“, sagte Petö. „Aber danach haben wir zu einfach die Bälle verloren. Das war insgesamt zu wenig.“
Auch Estasi sah einen klaren Knackpunkt: „Nach der Verletzung von Kudala ist ein Riss in unser Spiel gekommen. Davor haben wir das sehr gut gemacht.“
Nervosität statt Struktur
Nach dem Seitenwechsel versuchte Freiberg zunächst, die Kontrolle zurückzugewinnen. Doch die Leichtigkeit war verschwunden. Zu viele Fehlpässe, zu wenig Klarheit, zu wenig Überzeugung in den entscheidenden Aktionen.
„Wir hatten unsere Chancen, haben es aber versäumt, die Tore zu machen“, sagte Petö. „Und dann kassieren wir zu einfache Gegentore.“
Steinbach blieb geduldig und nutzte seine Möglichkeiten konsequent. In der 66. Minute traf Singer nach einer schnell ausgeführten Ecke zur Führung. Wenige Minuten später folgte der nächste Nackenschlag: Dacaj traf nach einer Dreifachchance zum 3:1. Freibergs Abwehr versäumte die Situation vorher zu klären.
Estasi wurde deutlich: „Im Verbund gegen den Ball waren wir nicht gut. Die Gegentore waren zu billig.“
Keine Frage des Glücks
Dass Freiberg aktuell nur das nötige Quäntchen Glück fehle, wollte Estasi nicht gelten lassen. „Glück muss man sich erarbeiten. In der Summe hat es heute nicht gereicht.“
Für den Sportdirektor liegen die Ursachen tiefer. In den Details. Und im Kopf. „Es ist auch eine Kopfsache. Wir müssen uns für unseren Aufwand belohnen. Aktuell tun wir das nicht.“
Verdienter Dämpfer zur Unzeit
Steinbach, tabellarisch weder nach oben noch nach unten unter großem Druck, zeigte eine starke und konsequente Leistung. Die Gäste nutzten die Fehler des Favoriten eiskalt und verteidigten den Vorsprung abgeklärt.
„Am Ende war es ein verdienter Sieg für Steinbach“, gab Petö offen zu. „Die Enttäuschung ist groß, aber wir geben nicht auf. Es sind noch fünf Spiele.“
Alles läuft auf Großaspach hinaus
Mit der zweiten Niederlage in Folge verliert Freiberg nicht nur Punkte, sondern auch Momentum. Großaspach hatte gegen Bayern Alzenau vorgelegt und geht nun als Tabellenführer in das direkte Duell: drei Punkte Vorsprung, bessere Tordifferenz, Heimspiel im Rücken.
Trotz der aktuellen Lage bleibt die Zielsetzung im Verein klar. „Wir alle wollen weiterhin das Maximale erreichen“, unterstreicht Estasi. Gleichzeitig mahnt er zur Einordnung: „Auch wenn wir gegen Großaspach gewinnen, wird am Ende der Saison abgerechnet.“
Am Mittwoch kommt es zum großen Showdown. „Wir müssen eine Reaktion zeigen“, fordert Petö. „Kaltschnäuziger sein.“
Estasi ordnet die Lage ebenso nüchtern wie deutlich ein: „Es ist ein Sechs-Punkte-Spiel. Das Momentum liegt aktuell auf der Seite von Großaspach. Am Ende werden Nuancen entscheiden.“
Das Spiel der Saison
Freiberg steht vor einer Weggabelung. Die vergangenen Wochen haben gezeigt, wie eng Erfolg und Rückschlag beieinanderliegen. Noch ist nichts verloren. Aber die Luft wird dünner.
Am Mittwoch geht es um mehr als drei Punkte. Bei einem Sieg von Großaspach könnte das Rennen eine entscheidende Wendung nehmen. Freiberg wird alles daransetzen müssen, genau das zu verhindern.
Mario Estasi, der in seiner zweiten Saison als Sportlicher Leiter die Geschicke des Teams lenkt, bringt es am Ende auf den Punkt: „Fußball ist manchmal verrückt.“
