Tabellenführer schwört sich auf Rückrunde ein
Acht intensive Tage im türkischen Belek liegen hinter dem SGV Freiberg. Der Regionalliga-Tabellenführer arbeitete an Physis, Struktur und mentaler Stabilität – mit klarer Zielsetzung für die Rückrunde. Trainer Kushtrim Lushtaku spricht von optimalen Bedingungen, wichtigen Lernprozessen und einer Mannschaft, die bereit ist für den nächsten Schritt.
Freiberg am Neckar – Als der Flieger am Dienstagabend in Stuttgart-Echterdingen aufsetzte, endeten acht intensive Tage im türkischen Antalya. Für den SGV Freiberg waren es keine entspannten Wintertage unter südlicher Sonne, sondern bewusst gesetzte Arbeitswochen. Der Tabellenführer der Regionalliga Südwest legte Grundlagen, körperlich wie mental und stellte die Weichen für eine Rückrunde, die richtungsweisend werden könnte.
Die Vorrunde hatte dem Team von Trainer Kushtrim Lushtaku alles abverlangt: ein historischer Traumstart mit neun Siegen, danach eine schwierige Phase mit acht Partien ohne Erfolg und schließlich eine Stabilisierung zum Jahresabschluss. Drei Siege in Serie brachten die Tabellenführung zurück und mit ihr neues Selbstvertrauen.
Nun gilt es, diese Energie in die zweite Saisonhälfte zu tragen. Ludwigsburg24 sprach mit Cheftrainer Lushkaku nach seiner Rückkehr.
Optimale Bedingungen – klare Inhalte
„Die Bedingungen waren überragend – Top-Hotel, Top-Anlage, Top-Wetter. Wir hatten wirklich Glück“, sagt Lushtaku nach der Rückkehr. Dass zeitgleich Teams wie Dynamo Kiew vor Ort waren, unterstrich die Professionalität des Umfelds.
Sportlich absolvierte der SGV drei Testspiele. Eine Niederlage, ein Unentschieden gegen einen usbekischen Erstligisten sowie ein Sieg gegen einen ukrainischen Erstligisten dienten als Standortbestimmung. „Ich war sehr zufrieden mit dem Trainingslager“, resümiert der Coach.
Trainiert wurde strukturiert und nach klarer Periodisierung. „In den ersten Wochen der Vorbereitung geht es vor allem um Grundlagen und Physis. Die taktischen Feinheiten kommen später“, erklärt Lushtaku. Zwei Einheiten täglich bestimmten den Rhythmus an der türkischen Küste – intensive Belastungsphasen auf dem Platz, ergänzt durch gezielte Regenerationseinheiten.
Besonders wichtig für Lushtaku: „Ich bin froh, dass alle Spieler wieder gesund und fit sind. Alle sind an Bord und haben sehr gut mitgezogen. Wir sind körperlich in einem guten Zustand.“
Bereits am Samstag setzt der SGV seine Vorbereitung mit dem nächsten Testspiel fort. Gegner ist der ambitionierte Oberliga-Spitzenreiter VfR Mannheim, der unter seinem Sportvorstand Ali Ibrahimaj – einem alten Bekannten von Lushtaku – selbst klar Kurs Richtung Regionalliga anpeilt.
Lernen aus der Hinrunde
Mit etwas Abstand ordnet Lushtaku die erste Saisonhälfte differenziert ein: „In den letzten drei Ligaspielen haben wir uns stabilisiert, das war enorm wichtig für die Moral. Aber auch in Partien, die wir verloren haben, haben wir viele Spiele kontrolliert – nur eben die Tore nicht gemacht.“
Ein zentraler Lernprozess betreffe die Reife einer Spitzenmannschaft: „Manchmal entscheidet man ein Spiel erst in der 90. Minute. Geduld ist ein wichtiger Faktor. Daran arbeiten wir.“
Der Auftakt am 21. Februar gegen Eintracht Trier wird dabei zur ersten echten Prüfstein. „Unser Ziel ist klar: Wir wollen mit einem Sieg in die Rückrunde starten.“
Ambition mit Maß
Freiberg geht als Tabellenführer in die zweite Saisonhälfte – doch Lushtaku bemüht sich um Balance. „Natürlich wollen wir alle in die 3. Liga – der Verein, das Team, jeder einzelne. Aber wir setzen uns nicht selbst unter Druck.“
Realistisch bleibt er dennoch: „Wir können auf Einzelschicksale keine Rücksicht nehmen. Entscheidend ist die Mannschaft.“
Dass die infrastrukturellen Rahmenbedingungen im Vergleich zu manchem Ligakonkurrenten nicht zu den stärksten gehören, blendet der Trainer nicht aus – sieht darin aber auch Motivation: „Vielleicht wäre der Aufstieg die Krönung unserer Arbeit. Wir wollen zeigen, dass man mit harter, konsequenter Arbeit erfolgreich sein kann.“
Neue Qualität im Kader
Der Verein nutzte die Winterpause zudem zur gezielten Verstärkung. Nicklas Shipnoski wechselte vom SV Waldhof Mannheim nach Freiberg. Der 28-Jährige bringt Erfahrung aus dem Profifußball mit.
Mit Florian Ballas schloss sich zudem ein 33-jähriger Innenverteidiger dem SGV an. Ballas absolvierte 189 Spiele in der 2. Bundesliga und 41 Partien in der 3. Liga – ein Profil, das Stabilität und Führungsqualität verspricht.
Auch Minos Gouras verstärkt ab sofort die Offensive. Der 27-Jährige kommt vom Ligakonkurrenten FC 08 Homburg.
„Die Neuen bringen Zweit- und Drittliga-Erfahrung mit“, sagt Lushtaku. „Das sind Verpflichtungen, die uns sportlich und auch charakterlich weiterbringen.“
Auf der anderen Seite verabschiedete sich der Verein von Christian Schmidt, Luca Andronache und Armin Sivic. David Girmann wechselt auf Leihbasis zur TSG Balingen, um zusätzliche Spielpraxis zu sammeln.
Verein als Einheit
Bemerkenswert ist die Verzahnung innerhalb des Clubs. „Am Sonntag gehen wir nach dem Training gemeinsam die U19 unterstützen. Sie spielt in der DFB-Nachwuchsliga gegen 1860 München“, sagt Lushtaku.
Ein Satz, der zeigt: Der Fokus liegt nicht nur auf der ersten Mannschaft. Der Verein denkt in Strukturen.
Fazit
Das Trainingslager war kein Zwischenstopp, sondern ein bewusst gesetzter Neustart. Der SGV Freiberg kehrt mit klarer Struktur, gefestigtem Selbstvertrauen und kontrollierter Ambition zurück. Am 21. Februar beginnt mit dem Heimspiel gegen Eintracht Trier eine Rückrunde, die entscheiden wird, ob diese Saison „nur“ erfolgreich – oder tatsächlich außergewöhnlich wird.
